Peter Eckel, der neue Vizepräsident im „Kreuzverhör“

Salzburger übernahm Schlüsselrolle im ÖTTV

Einstimmig wurde Konsulent Hans Friedinger im Rahmen der Generalversammlung des österreichischen Tischtennisverbandes im Badener Hotel at the Park als Präsident wiedergewählt. Die Legislaturperiode dauert bis Juni 2019. An seiner Seite fungiert Generalsekretär Rudi Sporrer weiterhin als Vizepräsident für Organisation, Gisela Fritsche ist weiterhin für den Bereich Finanzen zuständig und Peter Eckel ist der neue Vizepräsident für den Bereich Sport. ÖTTV-Medienchef Miguel Daxner bat den neuen Mann im Präsidium, den ehemaligen Teamspieler aus Salzburg, zum Interview.

Regionalsport Österreichischer Tischtennisverband Hans Friedinger Rudi Sporrer Gisela Fritsche Vizepräsident Peter Eckl Interview Miguel Daxner
Peter Eckel Foto: Privat

Miguel Daxner: Herr Eckel, Sie ersetzen als Ex-Teamspieler den zurückgetretenen Hannes Seyer. Die ÖTTZ gratuliert zur mehrheitlichen Wahl in Höhe von 64 % sehr herzlich. Was bedeutet Ihnen diese Wahl?

 Peter Eckel: „Danke, die Wahl bedeutet mir persönlich sehr viel. Ich bin ja seit einer kleinen Ewigkeit diesem Sport eng verbunden und kann so glaube ich auch einige Erfahrung mit ein bringen. Das Wahlergebnis zeigt aber auch, dass die Wahl zum Vizepräsidenten Sport eine sehr brisante Angelegenheit ist, aber ich bin davon überzeugt, dass wir mit dem neuen Präsidium gute Arbeit leisten werden.“

 

Miguel Daxner: Was und wer hat Sie letztendlich dazu bewegt, diese herausfordernde Tätigkeit im österreichischen Verband zu übernehmen?

Peter Eckel: „Präsident Friedinger hat mich kontaktiert und mir angeboten, die Funktion zu übernehmen. Zuerst hatte ich große Bedenken, ob diese Aufgabe überhaupt neben Beruf und Familie zu bewältigen ist. Nach einigen Telefonaten mit dem Präsidenten, Rudi Sporrer und anderen habe ich mich entschlossen die Funktion auszuführen, wohlwissend dass die Verantwortung eine sehr große ist.“

 

Miguel Daxner: Geben Sie uns einen Überblick über Ihre Tischtennis-Vergangenheit bis zum sportlichen Karriereende – und was folgte danach?

Peter Eckel: „Ich habe mit neun Jahren beim ATUS Judenburg begonnen, damals eine richtige TT-Hochburg. Mit Spitzenspielern wie Erich Amplatz, Günter Müller, Dolores Fetter, Barbara Wiltsche (Gehart) oder Elisabeth Maier. Unter Obmann Alfred Maier gab es damals schon ein sehr professionelles Training. Nach etwa 30 Nachwuchstiteln folgten zwei Staatsmeister-Goldene. Bei Nachwuchs-Europameisterschaften war ich fünfmal dabei, wobei der größte Erfolg der Gewinn der Bronzemedaille im Doppel mit Heimo Glanzer in Malmö 1983 war. Im Nationalteam (je zwei EM- und WM-Teilnahmen) war ich hauptsächlich der Doppelpartner von Ding Yi. Von der Spielweise her war ich als Linkshänder der typische Doppelpartner mit starker Vorhand und eher schwacher Rückhand. Für den TTC-Kuchl habe ich zehn Jahre lang mit meinem Freund und jetzigen Nationaltrainer Qian Qian Li gespielt und auch in einer Wohnung gelebt. Eine unvergessene Zeit. Die Karriere endete dann bei Altstadt Linz. Beruflich bin bei der Arbeiterkammer als Jurist beschäftigt, habe kürzlich meine Lebensgefährtin Daniela geheiratet und habe zwei Kinder, Patrick (18, Schwimmer) und Julia (14, Kletterin). Beide wollten leider nicht mit dem Papa Tischtennis spielen.“

 

Miguel Daxner: Sind Sie im heimischen Tischtennis-Geschehen „up to date“?

Peter Eckel: „Natürlich verfolge ich den Sport sehr intensiv, obwohl ich selbst den Schläger seit Jahren nicht mehr angegriffen habe. Das letzte Mal vor fünf Jahren, als ich mit Jörgen Persson als Sparringpartner für den deutschen Bundesliga-Fußballklub Wolfsburg ins Trainingslager eingeladen wurde.“

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Peter Eckel Foto: Privat

Miguel Daxner: Vizepräsident Sport ist eine Schlüsselrolle: Sie haben zahlreiche Aufgaben zu bewältigen. Wie wollen Sie neben Ihrem hauptberuflichen Engagement diese großen Herausforderungen bewältigen?

Peter Eckel: „Aus zeitlicher Sicht ist die neue Funktion sicher eine Herausforderung, da ich ja meinen Lebensmittelpunkt in Salzburg habe. Mir ist klar, dass die Aufgabenbereiche sehr intensiv sein werden, mit einer ehrenamtlichen Tätigkeit ist der Aufwand auch nicht mehr zu bewältigen. Ich werde natürlich so oft wie möglich bei Turnieren und Meisterschaften persönlich anwesend sein.“

 

Miguel Daxner: Welche Schwerpunkte wollen Sie setzen? Sind Umstrukturierungen angebracht?

Peter Eckel: „Umstrukturierungen sind aus meiner Sicht nicht notwendig. Ich werde mir aber noch ein genaueres Bild machen. Die rasche Besetzung eines Sportdirektors hat sicher Priorität, damit hier auch organisatorisch bestens gearbeitet werden kann. Da werden wir in nächster Zeit intensive Gespräche führen. Auf sportlicher Ebene sind wir generell auf einem guten Weg. Wir haben ein sehr starke Nationalteams, die Kaderspieler sind bei sehr guten europäischen Vereinen im Einsatz. Mit Andre Levenko ist eine große Nachwuchshoffnung bereits im Nationalkader und mit Maciej Kolodziejczyk steht das nächste Talent knapp davor. Bei den Damen ist Karoline Mischek bereits fixer Kader-Bestandteil. Da brauchen wir noch 2-3 junge Spieler, die hier aufschließen können. Wichtig ist mir auch, dass unsere Spitzenspieler eine berufliche Ausbildung nach der sportlichen Karriere haben. Hier schwebt mir eine Kooperation mit dem Projekt KADA (Sport mit Perspektive) vor oder direkt mit unseren Sponsoren, welche Spieler beruflich auch im Betrieb integrieren können. Liu Jia ist hier das beste Beispiel bei Backaldrin.“

 

Miguel Daxner: Wird es im Bereich der Trainer Veränderungen geben?

Peter Eckel: „Ich sehe überhaupt keinen Anlass, ganz im Gegenteil, hier wird beste Arbeit geleistet. Da sind ehemalige Spieler tätig, die genau wissen worauf es ankommt. Qian Qian Li hat mit dem Team als Mannschafts-Europameister TT-Geschichte geschrieben, Liu Yan Jun leistet hervorragende Arbeit bei den Damen. Bei Jarek Kolodziejczyk, Bian Yadong und Dominik Plattner sprechen Erfolge, wie fünf Medaillen bei der JEM in Zagreb, für sich.“

 

Miguel Daxner: Wie beurteilen Sie die Situation im Bereich der Leistungszentren? Und welche Ideen haben Sie dazu?

Peter Eckel: „Bei den Leistungszentren werde ich mir noch ein genaues Bild machen, wir haben in den Bundesländern mit den Schulsportmodellen auch sehr gute Strukturen, ob das auf alle Bundesländer zutrifft, kann ich noch nicht sagen. Generell sind gute Trainer wie Michael Pichler, Dominik Habesohn, Christopher Simoner, Philipp Aistleitner und viele mehr tätig.“

Der Verband möchte neue Nachwuchszentren installieren, Wie beurteilen Sie die Istsituation bei den Talenten?

„Die Nachwuchszentren halte ich für eine gute Idee. Die Talente sollen über die Vereinsebene hinaus intensiv trainieren. Wir haben ein riesiges Potenzial, die weiter gefördert werden müssen. Das hat man bei den letzten U-13 Staatsmeisterschaften in Baden gesehen.“

 

Miguel Daxner: Durch die tägliche Turnstunde und die Neuorientierung in den Schulen gibt es auch für Tischtennis neue Chancen. Gibt es dazu Konzepte?

Peter Eckel: „Im Rahmen der täglichen Turnstunde gibt es sicherlich eine große Chance den Sport unter den Kindern weiter zu verbreiten. In Kuchl gibt es seit Jahren schon die Möglichkeit direkt in der Schule TT zu schnuppern. Da erkennt man bereits Talente, welche dem Verein auch beitreten. Diese Möglichkeit sollte für die tägliche Turnstunde genutzt werden. Natürlich bedarf es hierbei der Mithilfe der örtlichen Vereine und Funktionäre. Sportminister Doskozil will ja die tägliche Turnstunde ab Herbst bundesweit einführen, da werden wir uns für unseren Sport stark machen.“

 

Miguel Daxner: Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit mit den Landesverbänden und der Bundesliga im Bereich Spitzensport vor?

Peter Eckel„Ich werde für die Landesverbände und für die Bundesliga ein Ansprechpartner auf allen Ebenen sein. Da werden wir auch noch Gespräche führen, eine bundesländerweite Vernetzung wäre sinnvoll um gemeinsame Projekte, Veranstaltungen, Kader-Trainingslager usw. durchzuführen. Die Bundesliga geht einen guten Weg. Die TV-Vermarktung wurde um vieles besser als in den vergangenen Jahren. Die Bundesliga-Spiele in Einkaufszentren finde ich sehr gelungen. Das sollte man auf alle Fälle fördern. Das klassische Finale in der Bundesliga ist auch sehr medienwirksam.“

 

Miguel Daxner: Wie könnte eine Schlagzeile nach Ihren ersten beiden Jahren als Vizepräsident Sport lauten?

Peter Eckel: „Wir haben fünf Teilnehmer bei den Olympischen Spielen und unseren Medaillenspiegel bei WM und EM sowie der JEM aufgebessert, sowie Strukturen geschaffen, die dem Nachwuchs bestmögliche Voraussetzungen bieten.“