Vorschau Kieler Woche

Das Festival der Segler

Nach dem Weltcupfinale steht mit der Kieler Woche der nächste internationale Fixpunkt für das OeSV-Nationalteam an. Die weltweit größte Regatta mit langer Tradition wartet in ihrer 123. Auflage mit einem gut besetzten Teilnehmerfeld in den olympischen Klassen auf. Unter Rot-weiß-roter Flagge gehen sieben Teams an den Start, vor allem für die 470er Klasse, vertreten durch David Bargehr/ Lukas Mähr sowie Niko Kampelmühler/ Thomas Czajka ist es der letzte Probelauf für die bevorstehende WM in Griechenland im Juli.

Doch auch für die 49er FX-Damenduos Tanja Frank/ Lorena Abicht und Angelika Kohlendorfer/ Lisa Farthofer als auch für das Nacra 17 mixed Team Tom Zajac/ Barbara Matz bietet die Kieler Woche gute Bedingungen für eine Standortbestimmung und Feinschliff für kommende Aufgaben. Marco Baumann und Jakob Flachberger geben im 49er in Kiel ihr Debüt. Kurt Badstöber nimmt in der 2.4 mR – Klasse an den Para World Sailing Championships teil.

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Bargehr und Maehr Foto: ISAF

Letzter Probegalopp vor WM

Die Kieler Woche ist der Segelsport-Klassiker schlechthin und seit Jahrzehnten Fixstern im internationalen Regattakalender. Trotzdem war es lange nicht fix, dass der Österreichische Segel-Verband den Traditionsbewerb mit Teams aus dem Nationalkader beschickt.

„Die Top-Boote unserer Teams sind alle bereits im Container am Weg nach Tokio. Zudem ist die zeitliche Nähe zum Weltcup-Finale in Santander nicht optimal. Schlussendlich haben wir aber doch entschieden, dass wir mit sechs Teams teilnehmen werden, um unter Wettkampfbedingungen weiter an Taktik und Feinabstimmung zu feilen“, bringt OeSV – Sportdirektor Georg Fundak die Entscheidung auf den Punkt und ergänzt, „Kiel hat eine ganz spezielle Stimmung und ist immer eine sehr spannende Regatta. Das Wetter, die gemischten Winde – von Leicht- bis Starkwind ist alles drinnen – und die Meeresströmungen können an die Teams große Herausforderungen stellen.“

Besonders gefordert sind dabei Lukas Mähr/ David Bargher als auch Niko Kampelmühler/ Tom Czajka. Für sie ist es die letzte Möglichkeit vor der anstehenden 470er-Weltmeisterschaft in Griechenland im Juli nochmal zu testen, wie David Bargehr erläutert: „Das Weltcup-Finale war für uns extrem wichtig. Dort mussten wir Ergebnisse bringen und das ist uns auch gelungen. Jetzt ist die Kieler Woche für uns keine Zielregatta, sondern ganz klar eine Vorbereitung auf die WM. Wir wollen noch ein, zwei Dinge ausprobieren und Feinheiten im Rennrythmus abstimmen, um bestmöglich für die Weltmeisterschaft bereit zu sein. Das Teilnehmerfeld ist mit den Teams aus Australien, Russland und Japan gut besetzt. Aber die starke Konkurrenz ist für uns der beste Test.“

Ins gleiche Horn bläst Tom Czajka: „ Auch für uns ist Kiel in erster Linie eine Vorbereitung auf die WM. Auch wenn die Bedingungen hier ganz anders als beim Weltcup-Finale sind, wollen wir den Push aus Santander mitnehmen und ohne Druck schauen, wo wir uns einordnen können. Es sind ein paar starke Teams da und ein großes Mittelfeld. Wir wollen an der Technik, Abstimmung und der Kommunikation arbeiten, damit wir den Schritt machen können.“

Zusammenspiel und Taktik im Fokus

In der 49er FX-Klasse ist der OeSV mit beiden Damenteams vertreten. Da im August in Kiel auch die Europameisterschaft stattfindet, nützen Frank/ Abicht und Kohlendorfer/ Farthofer die anstehende Regatta auch als wichtige Vorarbeit im EM-Revier. „Wir hatten jetzt während der ersten Trainingstage hier wenig Wind, was sich aber laut Prognose für die Regatten ändern soll. Wenn das eintritt, es viel ablandigen, extrem böigen und drehenden Wind gibt, geht es bei uns viel um Taktik. Zudem ist das Teilnehmerfeld mit rund 50 Booten im Vergleich zu Santander sehr groß, auch das ist für uns eine Challange. Aber Lorena und ich sind positiv motiviert,“ blickt Steuerfrau Tanja Frank auf die bevorstehenden Rennen.

Kiel gilt nicht umsonst als das Festival der Segler, was vor allem Lisa Farthofer, die erstmals hier am Start ist sehr beeindruckt: „ Für mich ist es das erste Mal in Kiel und ich bin überwältigt. Sportlich ist es für uns sehr viel Arbeit, da wir mit einem geliehenen Boot von Bildstein/Hussl an den Start gehen. Wir müssen dementsprechend viel umbauen, haben gestern 10 Stunden am Boot gearbeitet. Aber wir bekommen sehr viel Unterstützung durch die Segel-Community. Für uns steht in Kiel das Erfahrungen sammeln an erster Stelle, wir wollen schnell und gut ins Regattageschehen hineinfinden. Platzierungen sind nicht vordergründig, im Großen und Ganzen ist es ein Training unter erschwerten Bedingungen.“

Maturareise nach Kiel

Nach längerer Pause erstmals wieder gemeinsam ins Boot steigen Tom Zajac und Barbara Matz. Matz war bis vergangene Woche mit ihrer Matura verpflichtet, nun gilt es die fehlende Trainings- und Wasserzeit wieder wettzumachen, wie Tom Zajac erläutert: „Barbara hat die Matura geschafft und Kiel ist nun quasi ihre etwas andere Maturareise. Es ist dies auch unsere Abschiedsregatta mit dem Olympiaboot, bevor unser neuer foilender Nacra kommt. Weil wir nicht viel trainiert haben, geht es für uns vor allem darum, wieder in den Rhythmus zu finden. Wir sehen es als Kick-Off für die Olympiakampagne für Tokio 2020 und als Trainingsmöglichkeit im EM-Revier.“

Nachdem Benjamin Bildstein/ David Hussl verletzungsbedingt in Kiel nicht am Start sein werden – ihre Rückkehr in den Regattazirkus ist für Juli geplant – gibt ein anders OeSV-Boot in der 49er-Klasse sein Debüt. Marco Baumann und Jakob Flachberger feiern in Kiel ihre Premiere.

Im Rahmen der Kieler Woche finden auch die Para World Sailing Championships statt. Unter den 79 teilnehmenden Nationen findet sich auch Österreich, Kurt Badstöber segelt in der 2.4 mR unter Rot-weiß-roter Fahne.

OeSV-Teams bei der 123. Kieler Woche (20.-25. Juni 2017)

470er: David Bargehr / Lukas Mähr

470er: Niko Kamplmühler / Thomas Czajka

49erFX: Tanja Frank / Lorena Abicht

49erFX: Angelika Kohlendorfer / Lisa Farthofer

Nacra17 mixed: Tom Zajac / Barbara Matz

49er: Marco Baumann / Jakob Flachberger

2.4 mR: Kurt Badtstöber