Wir formen die Sieger der Zukunft

ÖAMTC tomSILLER.at RADCLUB TIROL

Wir trafen uns zum Interview mit Martin Gramshammer, dem sportlichen Leiter des Rad Clubs Tirol. Wer jetzt meint, dass die Saison vorbei ist und alle frei haben, der irrt. Wenn im Oktober die Räder in die Garage kommen, beginnt für ihn und Birgit Woisetschläger, der Obfrau, die administrative Arbeit, für die während der Saison keine Zeit ist. Lizenzverträge für das kommende Jahr werden benötigt, Sponsoren- und Pressearbeit wird erledigt, die Bekleidungsbestellung für das kommende Jahr wird getätigt, das Trainingslager gehört organisiert und noch vieles Mehr steht in dieser Jahreszeit an.

ÖAMTC tomSILLER.at RADCLUB TIROL Foto: Walter Andre
ÖAMTC tomSILLER.at RADCLUB TIROL Foto: Walter Andre

Rad Club Tirol

Der Rad Club Tirol sieht sich zum einen als Nachwuchsschmiede im Radsport. Mädchen können ab der U14, Jungs ab U15 beginnen. Die jungen Männer können bis zur U19 fahren, dann endet die Ausbildung.

Der zweite Bereich des Radclub ist das U23 Elite Damen Team. Ziel für jeden ist es, zu einem Club zu wechseln, der auch international am Start ist. Im Vordergrund steht immer der einzelne Fahrer und nicht der Verein.

Einige beenden an diesem Punkt aber auch ihre Radlaufbahn. Wenn sie den Sprung in den Spitzensport nicht geschafft haben oder sehen, dass sie ihn nicht schaffen werden. Diese AthlethenInnen bleiben als Vereinsmitglieder erhalten und kommen auch zum Training.

 

Sportliche Erfolge durch TEAMGEIST DURCHHALTEVERMÖGEN und FAIRNESS

 

 

Kathrin und Christina Schweinberger Foto: Walter Andre
Kathrin und Christina Schweinberger Foto: Walter Andre

Die letzte Saison

Richtig große Leistungen hat Markus Wildauer (U19) erbracht. Er war bei Europa- und Weltmeisterschaften immer der beste Österreicher, noch vor Felix Gall (Weltmeister). Aber auch die U17 Jungs sind immer Top Ten gefahren. Tirolweit ist der Rad Club der beste Nachwuchsverein (Platzierungen). In der Gesamt-Nachwuchsteam-Cupwertung in Österreich sind sie mit den Jungs auf Rang Drei – mit eigentlich nur fünf Fahrern.

Bei den Mädls war alles etwas turbulenter. Im Vorjahr sehr verwöhnt durch die Dominanz der beiden Schwestern Kathrin und Christina Schweinberger, kam diese Saison die Ernüchterung. Martin beschönigt nichts, sagt wie es ist: „Wir waren verwöhnt vom Vorjahr! Aber auch die anderen Teams haben gute Nachwuchsfahrerinnen und die trainieren ebenso!“ Anna Huter ist mit der HTL ziemlich eingespannt und trotzdem vorne mitgefahren. Zum Abschluss der Saison fuhr sie erfolgreich auf der Bahn im Ferry-Dusika-Stadion. Petra Huter ist letzte Saison Österreichische Meisterin geworden. Herausragend war die Leistung von Annina Jenal. Sie ist neu zum Radclub gekommen und gleich in der Österreich Cup Wertung auf den dritten Rang gefahren. Im Team Cup bei den Damen war es dieses Jahr mit sieben Fahrerinnen der zweite Rang.

Es war eine Saison, mit der alle durchaus zufrieden waren. Die Damen wurden sogar im Ausland zu UCI Rennen eingeladen. Eine UCI Lizenz ist mit einem enormen finanziellen Mehraufwand verbunden, die der Radclub nicht erbringen kann. Die Damen wurden von der Schweiz eingeladen und konnten mit einer Wild Card teilnehmen. Mit solchen Leistungen können die Fahrerinnen international auf sich aufmerksam machen. Der Veranstalter hat im Vorhinein gesehen, das sind Damen die Gas geben, die attackieren, die dem Publikum was bieten und darauf können wir sehr stolz sein.

Das Wichtigste und da sind sich Martin und Birgit einig: Am Ende vom Jahr sollen alle sagen, es war ein cooles Jahr, ich hab mich mit den Menschen gut verstanden und ich hab was dazugelernt! Sicher ist eine gute Platzierung auch in Hinblick auf Sponsoren wichtig. Nur jede Saison ist nicht gleich gut. Jeder Mensch macht Fehler, sei es im Rennen oder auch beim Training. Das soll niemandem vorgehalten werden. Aus den Fehlern soll gelernt werden! Der Radclub will kein Team, dass nur auf Leistung gedrillt ist, sondern ein Team das sagt, „Hey, ich freue mich wenn ich am Wochenende wieder mit meinen Kollegen fahren kann.“

 

Allgemeines zu den Rennen

Viele Rennen sind im Osten Österreichs. Das ist verständlich, denn dort ist es viel einfacher abzusperren als im Inntal. Für einen Tiroler Verein ist das jedoch sehr kostenintensiv. Mittlerweile sind selbst Fahrten nach Salzburg auf Grund der Grenzkontrollen mit Mehrkosten verbunden (wegen der event. Anreise am Vortrag auf Grund der langen Wartezeit an der Grenze). Aufgerechnet auf jeden der Mitfährt (13 FahrerInnen, 3-4 Betreuer) ist das ein ziemlicher finanzieller Aufwand, der zusätzlich zu stemmen ist. Besonders zu erwähnen ist, dass der Rad Club den Eltern der AthlethenInnen so wenig wie möglich Mehrkosten aufbürden möchte. Der Sport an sich ist schon sehr teuer. Ein Rennrad kostet rund € 4.000,00, das ist aber noch keine „Waffe“! Jeder hat noch ein Ersatzrad, evtl. ein Mountainbike für den Winter, ein Zeitfahrrad, usw. Der Radclub will, soweit möglich, mit Förderungen vom Land (ASVÖ?) und Sponsoren die Rundherumkosten abnehmen. Der Hauptsponsor – Tom Siller – hilft ihnen da wirklich sehr.

ÖAMTC tomSILLER.at RADCLUB TIROL Foto: Walter Andre
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Der Blick in die Zukunft

Der Focus liegt zum einen beim Nachwuchs, zum anderen bei den Elite Damen.

Die Nachwuchsarbeit ist die Basis und die konsequente Weiterführung dieser wurde vom Vorstand beschlossen.

Bei den Damen wird weiter gefahren wie bisher. Auf nationaler Ebene (Österreich Cup) will man mit 7-8 Fahrerinnen vorne dabei sein. Der Radclub will den Damen Österreichweit einen guten Grundstock geben. Mehr ist in Österreich nicht möglich. Einladungen aus dem Ausland nehmen die Damen sehr gerne an, weil diese die Möglichkeit bieten, sich international zu präsentieren. Ein weiterer Focus sind Tiroler Rennen. Wenn sich ein Veranstalter das antut, dann möchte Martin haben, dass seine FahrerInnen am Start sind. Dies ist vor allem auch ein Zeichen des Respekts dem Land gegenüber das sie fördert. Und wenn eine Fahrer einen Tirol Cup gewinnt, so ist das ein weiteres gewonnenes Rennen und das zählt.

 

Änderung bei den FahrerInnen

Markus Wildauer wechselt zu Tirol Cycling, in die Elite. Alisa van Oijen wechselt zu dem deutschen Maxx-Solar Team. Kathrin und Christina Schweinberger gehen zu Team Stuttgart. Da gibt es folgende Kooperation: Nationale Österreichische Rennen fahren sie für den Radclub, Internationale Rennen fahren sie mit dem deutschen Team. Für beide Seiten eine optimale Lösung. Anna Huter fährt in der nächsten Saison für den Radclub das erst Mal in der Elite. Das bedeutet eine große Veränderung für sie aber wir sind sehr positiv eingestellt.

 

Personelle Veränderungen im Verein

Der Verein ist genau so aufgebaut wie jeder andere Verein. Die Kassier-Stellvertreterin – Hilde Kabosch - legt ihr Amt zurück und macht den Weg frei für den jungen Daniel Ebner, der schon länger die sportliche Leitung mit Martin macht. Im Vorstand sind junge Leute die nachkommen total wichtig. Ältere Menschen bringen die Erfahrung, die Sorgen der jungen AthlethenInnen werden von jüngeren Menschen im Vorstand wiederum besser verstanden. Wichtig war dem Radclub immer, dass der Vorstand direkt hinter dem Verein steht, dass der Vorstand die FahrerInnen persönlich kennt und weiß was sie tun. Immerhin entscheidet der Vorstand für die AthlethenInnen.

 

Training im Winter

Jeder Athlet trainiert mit seinem Trainer, nach vorgegebenen Trainingsplänen aber jeder soll für sich selber entscheiden was er braucht um bestmöglich trainiert in die neue Saison zu gehen. Bei keinem einzigen müsste man sich um zu wenig Training sorgen. Eher das Gegenteil ist der Fall und ein Übertraining ist schwieriger zu Handhaben als ein zu wenig an Training. Zusätzlich machen sie Sportarten, für die unter dem Jahr keine Zeit ist: Skitouren, Langlaufen, Eisschnelllaufen. Im Fitnessstudio werden die Bauchmuskeln, die Rückenmuskeln und die Nackenmuskulatur gestärkt. Alles Muskelgruppen die sehr wichtig sind. Ebenso sind Stabilisationsübungen und Dehnen wichtige Punkte. Wichtig für alle die noch in die Schule gehen ist, dass sie sich jetzt einen Polster herausarbeiten. Eine super Note im Halbjahreszeugnis lässt einen ab Februar beruhigter fahren. Wobei: Schule geht immer vor! Ein Großteil der FahrerInnen wird in Zukunft von dem erlernten Beruf leben. Der Winter soll aber auch dafür da sein, etwas anderes zu tun, das Rad mal drei Wochen wegzustellen. Soziale Kontakte sollen gelebt werden, denn im Sommer, wenn die anderen am See liegen, sind die Athleten am Rad und fahren Rennen.

Im Winter, wenn es möglich ist, treffen sich alle jeden Dienstag, im Turnsaal in der Volksschule Vomp. Zwischen 18.00 bis 20.00 machen sie Zirkeltraining, Hockeyspiel, Dehnen oder Stabilisation. Hierbei geht es darum, sich nicht aus den Augen zu verlieren. Im Sommer ist es, je nach dem wie es den Schülern besser ausgeht, auch der Dienstag oder Mittwoch wo sie sich alle zu einer gemeinsamen Ausfahrt treffen. Es soll die Gemeinschaft einfach nicht verloren gehen.